| Unser erster Tag startet mit einem netten
Nordostwind und wir segeln vor dem Wind im Fahrwasser nach Westen.
Mit einer "Impression 38 by Elan" haben wir uns auf den Weg gemacht.
Zur Törnplanung
Da die Wetterlage nicht ganz sicher ist, nehmen wir uns vor, vor dem
Befahren der Ostsee zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Immerhin
haben wir zwei Optionen ins Auge gefasst;
 | Wenn der Wind nordwestlicher weht, nehmen wir
uns Bornholm vor |
 | anderenfalls wird es wohl ein Ausflug nach
Kopenhagen |
Und als dritte Variante, wenn es ganz entspannt
werden soll, machen wir erstmal halt in Vitte auf Hiddensee.
Doch
zuvor müssen wir uns erst einmal erschrecken, denn vor dem
eigentlichen Abzweig nach Norden, lassen wir uns von der
Tonnen-Auszeichnung irritieren und passieren die
grün-rot-grüne Tonne auf der falschen Seite, d. h. wir
versuchen es, was mit einem Aufsetzer endet. Zum Glück
stecken wir nicht fest, aber alle bekommen einen Schreck und
Ralf der Skipper fühlt sich sch.... (was er natürlich nicht
zugibt).(siehe Karte rechts)
Letztendlich fällt die Entscheidung für
Kopenhagen und wir machen uns also auf den Weg nach Norden,
Ziel: Klintholm auf der Insel Møn.
Der Hafen gilt ja eigentlich als DER Absprunghafen für die
Bornholm-Segler, für uns ist er ein gelungener Zwischenstopp
auf dem Weg nach Norden.
Saisonbedingt ist der Hafen "rappelvoll"
und wir machen im Päckchen fest. Zum Glück hat gleich in der
Nähe der Hafeneinfahrt ein Schiff die Fender aushängen.
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Montag. 3. August '09
Von Klintholm auf Møn nach Dragør auf Amager
Kopenhagen hat einige Marinas zu bieten, mehr oder
weniger stadtnah, wir möchten gerne in Christianshavn festmachen,
weil dieser Hafen die größte Nähe zur Altstadt haben soll.
Ein besondere Strategie soll uns zwei Vorteile schaffen:
 | Die Chance auf einen Liegeplatz im
überfüllten Hafen |
 | Mehr Zeit für einen Landgang in Kopenhagen |
Nun zur Strategie: Anstatt gleich bis nach
Kopenhagen durchzusegeln und spät abends anzukommen (mit zahlreichen
anderen Seglern), machen wir 10 Seemeilen vorher fest: In Dragør.
Von dort können wir dann am kommenden Tag die letzten 10 Seemeilen
am Vormittag absegeln und bekommen sicherlich einen Liegeplatz.
Gesagt - getan. Und neben den genannten Vorteilen
erleben wir eine dritte Überraschung: Dragør ist eine Reise wert.
Ein nettes kleines Städtchen mit einem Fable für Stockrosen.

Übrigens liegen wir auch hier zu
dritt im Päckchen: hinter einem Briten und neben einem Franzosen. Vor
uns liegt ein Dreier-Schweden-Paket. Also eine internationale Nachtruhe.

Dienstag. 4. August '09
Von Dragør auf Amager nach Kopenhagen auf Sjæland
Unser Plan geht auf, zumindest einigermaßen: Wir
finden im Christianshavn ein Plätzchen (wieder als Dritter im
Päckchen). Was dennoch an ein Wunder grenzt, der gesamte Hafen ist
im wahrsten Sinne des Wortes fest"gepackt".
Die beiden Boote neben uns sind
allerdings keine modernen Fahrtenyachten, sondern besegelte Kutter.
Das Boot direkt am Kai sieht auch schon reichlich betagt aus und wir
fragen uns, wann es wohl zuletzt die Ostsee gesehen hat.
Unser Landgang ist wie geplant
ausgedehnt und äußerst beeindruckend. Ich selbst hätte nie gedacht,
dass eine Hauptstadt immer noch so ein anheimelndes Flair
verströmen kann. Natürlich gibt es die typischen Touri-Ecken, z.B.
den vielgenannten "Oldtimer"-Hafen, wer sich aber mal querfeldein
schlägt, erlebt die Stadt auch schnell "normal".
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Man sieht deutlich, wie eng es im Hafenbecken zugeht. |
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Besonders überraschend war
"Christiana" eine Aussteiger- und Künstler-Komune in unmittelbarer
Nähe unseres Liegeplatzes:

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Anschließend geht es auf zum Turm "Henriks Begierde" (Pappa,
gehen wir da rauf?):

Auch wenn die Kirche wegen
Umbaumaßnahmen geschlossen ist, kann der Turm gegen ein
geringes Entgeld besichtigt werden.
Henrik übernimmt freiwillig die Aufgabe des Stufenzählens: |
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Auf dem Weg nach oben können wir einen genauen Blick auf den
Glockenstuhl werfen:

Oben angekommen, werden wir mit einem
herrlichen Rundumblick belohnt.
In der Mitte des Bildes übrigens der Christianshavn:

Ach ja und übrigens: Nach Henriks Algebra
kamen wir auf ein statistisches Mittel von 295
Treppenstufen.
Der Oldtimerhafen: |

Wer ist hier wohl der Oldtimer? |

Fressmeile und Touri-Treffpunkt |
Als wir nach dem Landgang
zu unserer Segelyacht zurück
kommen, werden wir noch Zeuge eines originellen
"Wiederbelebungsversuchs": Der betagte Kutter am Kai innerhalb
unseres Päckchens ist plötzlich belebt: Ein freundliche Dänin steht
und sieht zwei Herren über die Schulter, die sich in der Kabine
verkriechen und unter dem Fahrstand handwerklich unterwegs sind.
Wie wir erfahren, gehört das Schiff
dem verstorbenen Schwiegersohn und hat hier zwei Jahre gelegen. Nun
soll es wieder flott gemacht und zu ihrer Heimatstadt auf Lolland gefahren werden.
Dort wird es dann aufbereitet und dem Enkel vorbehalten (sozusagen
eine schiffige Art der Nachfolgeregelung).
So einfach wie gesagt stellt sich die
ganze Sache jedoch nicht dar: Zwei Stunden dauert die Aktion. Ein
Kompressor versorgt den Einzylinder-Diesel mit Druckluft. Die alte
Maschine hat sage und schreibe 14 Liter Hubraum! Einige Male
"hustet" der alte Schatz kreisrunde Rauchkringel in den Himmel,
sieht toll aus, gibt allen Beteiligten (und auch den Zuschauern)
Hoffnung - stirbt aber wieder ab.

Um 20:00 ist es dann endlich
soweit und man macht sich auf den Weg.

Mittwoch. 5. August '09
Von Kopenhagen auf Sjæland nach Møn auf Klintholm
Früh geht's wieder los, denn wir wollen direkt bis
Møn durchziehen. Wir möchten einen Stopp überspringen, um einen
letzten Tag zu gewinnen, den wir auf der Insel Hiddensee verbringen
möchten.
Während wir aus der Stadt fahren, können wir noch
einmal einen Blick auf das eine oder andere imposante Bauwerk
werfen:

Der Hafen-Anleger mit Restaurant |

Der Palast |

Links Suchbild: Die kleine Meerjungfrau, macht ihrem Namen
alle Ehre
Rechts: der Leuchtturm an der Einfahrt in's Hafengebiet |

Diese Windräder passiert der Segler
vorbei an der Leuchtturm-Insel |

Der Flughafen präsentiert Flugzeuge
im Minutentakt |
Im Fahrwasser vor Kopenhagen treffen wir alte
Bekannte: Vermutlich hat die Betagte alte Segeldame doch noch einen
Hustenanfall bekommen, so dass man die Nacht im Industriehafen
verbracht hat. Nun, im Morgenlicht sieht sie zumindest deutlich
vorteilhafter aus als am Vorabend. Wir wünschen ihnen eine gute
Reise.

Ein letzter Blick zurück gewährt noch einmal einen
atemberaubenden Blick auf die Brücke, die Dänemark mit Schweden
verbindet:

Heute soll es also wieder bis Klintholm gehen.
Leider spielt der Wind nicht mit, so wird also einen Tag motort.
Immerhin nutzen wir die
Gelegenheit, wie ein Ausflugsdampfer dicht unter den imposanten
Kreidefelsen, den "Klinten" (nicht zu verwechseln mit einer
bekannten amerikanischen Präsidentenfamilie) vorbei zu manövrieren.
In Klintholm festgemacht - heut übrigens mal nicht
im Päckchen - genießen wir das herrliche Wetter auf dem Grillplatz -
leider ohne Fisch - auch ohne Reh, aber dennoch von Matthias
herrlich zubereitete "Schweinereien".

Der erlebnisreiche Tag wird heute
noch mit besonders schönem Abendschmuck am Himmel gekrönt, neben
einem tollen Sonnenuntergang auch noch eine fantastische
"Mond-Laterne":

Abschließend erwartet uns heute allerdings noch
ein Erlebnis der besonderen Art:
Fische kaufen
Was man so erlebt, wenn man nachts einkaufen
geht.Was die kulinarische
Versorgung angeht, ist ja nichts schöner als Fisch frisch
vom Kutter zu kaufen und auf dem mitgebrachten Grill
zuzubereiten. Da gleich nebenan der Fischerhafen ist, wollen
wir diesen Plan in die Tat umsetzen. Matthias weist uns
gegen 23:00 darauf hin, dass gerade die Fischer reinkommen,
also machen Dietmar und ich uns auf den Weg, direkt beim
Lieferanten einzukaufen - auch wenn uns die Uhrzeit wundert,
denn normalerweise waren wir der landläufigen Meinung, dass
Fischer früh morgens zurück kommen.
Kutter eins ist leider eine Enttäuschung,
denn dort sind nur angelnde Touri's an Bord. Und Touristen
kann man bekanntlich nicht so gut grillen - sie gelten
auch weithin als unverdaulich.
Also lassen wir unsere Augen suchend über
das Hafenbecken kreisen und entdecken in der hintersten,
dunklen Ecke noch einen Kutter, der gerade eingelaufen
sein muss. Zumindest ist er beleuchtet und es ist Leben an Bord.
Während wir uns dem Kutter nähern,
entdecken wir ein großes schwarzes Auto mit einem Stern auf
der Motorhaube. Irgendwie will so eine Luxuskarosse nicht in
unser Bild vom gemeinen Fischer passen. Als wir den Kutter
erreichen, begegnet uns ein großer Kerl am Mercedes und
schaut uns nicht besonders vertrauenserweckend an. Es
stellt sich plötzlich die Frage: Was wird denn hier
um Mitternacht verladen? Doch keine kleinen Tütchen mit weißem Pulver.
Ein
verstohlener Blick auf das Deck erschüttert dann auch: Ein
aufgeschlitztes, felliges etwas mit vier weit auseinander
gestreckten, hellbraun behaarten Beinen liegt auf der
Fläche, auf der sonst wohl die Fische ausgenommen werden.
Zwei starke Burschen machen sich mit Messern daran zu
schaffen.
Das reicht uns soweit, wir halten gar
nicht erst an, sondern machen uns schnell und zielstrebig auf
den Weg zur abgelegenen Kaimauer - zum Glück wollten wir sowieso den Vollmond fotografieren und nutzen somit dieses
willkommene Alibi, um den Eindruck jeglicher Neugier zu entkräften.
Frage: War das der Hund des Skippers oder
wirklich ein Reh? Aber seid wann fängt man in der Ostsee Rehe?
Eine ganze Reihe Vollmond-Fotos später
müssen wir zwangsläufig zurück zu unserer Yacht. Und
tatsächlich: Nun hängt ein Reh-Kadaver an einer gespannten
Leine über dem Deck.
Tja: Wenn der geneigte Leser nun eine
Auflösung dieses Rätsels sucht, müssen wir Euch leider bis
auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertrösten. WIR haben uns
jedenfalls nicht um eine Aufklärung bemüht, sondern
gemacht, dass wir wegkommen.
Das Einzige, was bleibt, ist ein Foto vom
Vollmond - auch sehr schön - und gegrillten Fisch gibt's dann
eben ein andermal. |

Donnerstag. 6. August '09
Von Klintholm auf Møn nach Vitte auf Hiddensee
Auch heute scheint der Wind zu schlafen. Also wieder
ein Motortag. Ziel ist ein kleiner und zudem sehr beliebter Hafen: "Vitte"
auf Hiddensee. Damit wir überhaupt eine Chance auf einen Platz haben,
starten wir zeitig und fahren zielstrebig in Richtung Südost. Zu
allem Überfluss kommt das bisschen Wind, den es gibt, auch noch
genau aus dieser Richtung.
Also wird Maschine gefahren. In der Hoffnung, zum Ende des Tages noch
einen kurzen Anlieger fahren zu können, halten wir etwas nach Osten
vor. Die Rechnung geht auf. Im Laufe des Tages nimmt der Wind zu und
wir können zumindest die letzte Stunde, bevor wir in das Fahrwasser
bei Rügen einmünden, segeln - Hurra!

In Vitte haben wir das gleiche Glück
wie in Møn am zweiten Tag: Gleich bei der Hafeneinfahrt dürfen wir
bei einem Berliner festmachen.
Das Bild zeigt deutlich, wie man in
der Hauptsaison den Steg-Kopf durch geschickte Festmacher-Manöver
verlängern kann - natürlich nur in die Abstimmung mit dem
Hafenmeister ;-)
(Was zumindest in Vitte sehr ernsthaft berücksichtig werden sollte!)
Zum Berliner:
Ein altes Boot mit Kunststoffrumpf
und Holzaufbau mit einer netten Truppe an Bord. Als Dankeschön
spendieren wir erstmal unseren Anleger an die Besatzung des
Nachbarseglers. Im Zuge des Abends lernen wir uns dabei besser
kennen: Der Berliner hat das Boot von einem Dänen gekauft und drei
Jahre liebevoll generalüberholt. Nun ist er im Ruhestand und seit
drei Monaten auf See. Als wir ihm begegnen, hat er Tochter,
Schwiegersohn und Enkelkinder an Bord.

Wir haben viel Spaß gemeinsam,
besonders als aus unsere Kombüse von Monika und Dietmar eine
Besonderheit serviert wird: Eine Melonenbowle in
Original-Melonenschale. 
Freitag. 7. August '09
Ein Tag auf Hiddensee und zurück nach Breege auf Rügen
Den neuen Tag verbringen wir - wie geplant - auf
Hiddensee.
Wir leihen uns Fahrräder und erkunden den Weg zum Leuchtturm sowie
die Kleinkunst- und nicht zu vermeidenden Touristikläden in
Kloster, dem kleinen, nördlich gelegenen Hafenort. Und natürlich
Kachelmanns Leuchtturm an der Nordspitze der Insel.
Spaziergang über Hiddensee:





Um 16:00 dann das Unvermeidliche: Wir müssen zurück
zu unserem Ursprungshafen, denn morgen früh heißt es: Rückgabe der
Yacht und Heimreise.

Abends wollen wir noch Volltanken. Was uns leider nicht gelingen
wird, da die Tanke um 18:00 dicht macht und wir - dank unseres
Genusstages - erst um 19:00 ankommen. Ein Gutes hat das ganze
allerdings: Die Bunkerstation ist direkt am Kai und mit dem Auto
erreichbar. Man erlaubt uns, hier festzumachen, dann wären wir
gleich am kommenden Morgen die Ersten an der Zapfsäule. Außerdem
können wir mit dem Auto direkt bis ans Schiff fahren und entspannt
umpacken. (Sollte man sich merken!).
Abschließend gehen wir noch lecker essen und packen danach noch zwei
Stunden lang, damit der Abreisetag entspannt beginnen kann.


Samstag. 8. August '09
Ab nach Hause
Wie geplant, tanken wir voll, packen das Auto zum größten Teil
fertig und verholen anschließend die Yacht an ihren Liegeplatz.
Nun brauchen wir nur noch den Taucher abzuwarten und das Schiff
klarieren. Schließlich sind wir um 10:30 abreisebereit. Wie gesagt:
entspannt, entspannt!
Quintessenz
Wir kommen wohl in das Guinnes-Buch der Rekorde, denn die
Motormeilen sind dieses Mal deutlich mehr geworden als unsere
Segelmeilen, Dafür haben wir tolle Zeit bei unseren Landgängen
verbracht, die zudem mit herrlichem Wetter begünstigt waren.
Rundherum ein gelungenes Unterfangen.

Und Tschüss! (der Skipper steht "hinter" dem Bild ;-) ) |