Sturmfahrt (im Frühsommer 2003 von Peter-G-Punkt-aus-Wupper-T-Punkt)
Westlicher Nordteil der südlichen Ostsee, Position 34’56’’356 Nord und 22’56’’337 West, Kurs auf Kap Horn, leichte Brise von Windstärke 8, in Böen 12-16, Seegang 1-3 Masthöhen, Krängung passend zur Seekrankheit.
Für
den gerissenen Spinnacker wurde der Blister von der Brise zerfetzt, der Genua
folgte die Fock über Bord. Das Groß wird nur noch vom Lazy-Jack gehalten, bietet
aber noch genug Segelfläche, um hart vor dem Wind an Steuerbord den
Backbordwinden zu trotzen. Am Steuer Käpt’n Ahab, links und rechts zur Seite die
Superleichtmatrosen „Der Glückliche“ und „Der Fels“, die mühsam das Großfall
suchen.
Unter Deck beugen sich der „Flautenverwalter“ und „Manni Mammut“ in schierer Verzweiflung über die von Nostradamus geschriebenen, von kryptischen Geheimzeichen strotzenden vergilbten Folianten. Wo ist der Kurs? Gestern waren hier noch weite, unberührte Wasserflächen mit endlosen Wassertiefen, plötzlich tauchen heute wie Vineta aus den unendlichen Untiefen geheimnisvolle, namenlose Eilande auf.
Am Instrumentenbrett vor Käpt’n Ahab piept penetrant der Tiefenmesser, die angezeigte, immer kleiner werdende Zahl wird von einen Leichtmatrosen mit zunehmender Panik in der Stimme ausgesungen. Käpt’n Ahab verflucht den Tag seiner Geburt, die Blindheit der Kartenunkundigen unter Deck, den Tag des Ablegens. Warum ist er nicht Beamter geworden? Nie wieder Alkohol!
Endlich, mit Erleichterung in der Stimme schreit Manni Mammut gegen das Heulen des Windes: „Nördliche Untiefentonne an Backbord, 3 Uhr! Dann folgen zwei rosa-gepunktete Fahrwasseraußentonnen mit Schäkeladapter! Gegen den Wind ansteuern, unter dem Kiel links - Sch##*+?$ - steuer... - Quatsch! - backbord liegen lassen und steuerbord umrunden.“
Sorgenvoll schaut ihn der Flautenverwalter an: „Die Untiefentonne ist südlich, die Fahrwasseraußentonnen können wir von dieser Position noch nicht sehn, erst muß man ....“.
„Tiefe Zwei Null – Eins Acht – Eins Sechs – Kiel weg – Schiff kentert durch – In die Boote!“
Mit am Steuerrad geklammerten Fäusten stiert Käpt’n Ahab in den gewitterfahlen Himmel, sein brechender Blick schaut ein letztes Mal zum Kreuz des Südens auf, dann wischt eine Welle über sein Gesicht.
Zurück bleibt die leere, tobende See.
Etwa 15 Minuten später legen wir in Orth an. Ich frage mich, war es heute eine Vomex zuviel oder hätte ich sie besser ins Ohr stecken sollen, statt sie zu lutschen??
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