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Atlantik - soll man sich da fürchten?
Überführungstörn SY Carla –
mein Zweiter*
Frühjahr - nach allem was ich gehört habe, ziehen zu
dieser Jahreszeit die Atlantik-Tiefs über der Atlantikroute hin und
garantieren spannendes, wenn nicht sogar stürmisches 04504 715002 Wetter. Zu
unserer Route (Madeira-Malaga) hatte Jürgen, unser Skipper, mir schon vom
vergangenen Jahr erzählt: 6 Tage gegenan gekreuzt und das bei teilweise
Starkwind.

Die Crew beim Bunkern (v.L.: Jürgen, Kirsten, Ingo, Thorsten,
Wolfgang
und ich, fehlt nur noch Toni - er ist gerade beim Malen)
Nun, ich bin gespannt, wie es dieses Jahr wird. Das
Anschreiben zur Buchungsbestätigung klang jedenfalls wesentlich
freundlicher: Sonnenmilch mitbringen und einen warmen Pullover für die
Abendstunden.

Do 26.2.04 - Flieger, zeig mir die Sonne
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Düsseldorf: Noch im Flughafen - Gate B85 - klingelt
das Handy, die Mailbox: „Hallo
Ralf,
hier ist (kann ich nicht verstehen), ich bin am Flughafen und habe von
Jürgen gehört, dass Du auch mitsegelst, vielleicht können wir uns das
Taxi zum Hafen teilen.“ Ich denke „prima“ und rufe zurück: „Hallo hier
ist Ralf, ich fliege jetzt gleich in Düsseldorf los, wenn Du bis heute
Mittag warten willst, dann gerne“. Eine halbe Stunde später: Abflug bei
Minus-Graden in Düsseldorf. Die Tragflächen des Fliegers müssen vor dem
Start noch enteist werden.
Nun gut, ich bleibe gespannt. Im Flieger tippt mir
jemand auf die Schulter: „Bist Du Ralf? Auf dem Weg nach Madeira? -
prima, ich bin Ingo“. Ich denke: „uups! woran hat er mich erkannt – sehe
ich so ‚seglerisch’ aus?“ Ingo: „Ich sitze ganz hinten in der letzten
Reihe und fliege auch zum Törn“. Die Auflösung des Rätsels werde ich
wohl erst später erfahren, denn schon werden wir aufgefordert uns
anzuschnallen. Jetzt erst einmal 3:20 Stunden fliegen.
15:20, super: Alles läuft planmäßig. Pünktliche
Ankunft. Strahlender Sonnenschein. Das Taxi zur Marina von Funchal
kostet 22 Euro, die wir uns teilen. Ingo erklärt mir, dass er in
Düsseldorf nachgefragt hat, ob ich eingecheckt hatte und nach meinem
Sitzplatz gefragt. Ich bin beruhigt, bin wohl doch nicht zu
„ausgefallen“ aufgefallen, Ingo hatte nur einen informationstechnischen
Vorsprung genutzt. Pfiffiger Bursche! Jürgen hat sicher wieder eine
prima Crew zusammengestellt.

Die interessante Landebahnkonstruktion von Madeira - parallel zur Insel
Dank dem neuzeitlichen Segen der Handys, rufen wir
am Hafeneingang Skipper Jürgen an und erhalten den Hinweis: Segelyacht
Carla! wir liegen hier unten an der Außenmole im Päckchen. Während wir
dahin laufen frage ich mich, warum ich schon wieder nur eine - und somit
besonderes schwere - Gepäcktasche dabei habe. Dabei wäre das Gepäck doch
viel besser in zwei leichteren Taschen zu transportieren. Wie ist man
denn wohl auf die Idee gekommen, alles in EINEN Seesack zu verstauen?
An der Yacht angekommen treffen wir die anderen
Crew-Mitglieder, sie haben schon eine ordentliche Strecke hinter sich
gebracht, denn sie kommen von Teneriffa: Toni kniet mit freiem
Oberkörper am Fußweg vor der Molenmauer und malt ein Bild der Segelyacht
„Carla“ auf den Boden. Die Molenmauer ist in Funchal das anspruchsvolle
„Gästebuch“ der Marina: Hunderte von mehr oder weniger künstlerisch
anspruchsvollen Kunstwerken zieren die gesamte Mauer:

Zwei weitere: Klaus und Katrin steigen aus und wir
dafür ein. Thorsten und Wolfgang sind gerade zum Einkaufen in die Stadt
gegangen: für den kommenden 4 bis 5 Tage dauernden non-stop-Ritt müssen
noch einige Lebensmittel gebunkert werden.
Skipper Jürgen wartet an Bord auf seine bessere
Hälfte Kirsten, sie sucht gerade ein Hotelzimmer, denn sie wird sich die
folgenden Tage auf dem Atlantik verkneifen und ein paar schöne Tage in
Funchal verbringen. Anschließend soll sie uns in Gibraltar erwarten.
Die Mannschaft hat schon richtig was erlebt, von
einem fantastischen Karneval auf Teneriffa über Delphine und eine
Riesenschildkröte bis hin zu schwerem Wetter. Leider hat dabei die neue
Genua das Zeitliche gesegnet. Es ist eine erlebnisreiche Überfahrt
gewesen. Na Klar – und ich war natürlich mal wieder nicht dabei! Abends
machen wir noch einen Ausgang in die Stadt, vorläufig zum letzten Mal
eine Restaurant-Mahlzeit genießen, bevor wir die nächsten Tage und
Nächte auf See verbringen werden.
Blick
auf die Marina aus Richtung des am Berg liegenden Casinos |

Fr 27.2.04 – Langsam kommen lassen
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8:30: Jürgen und Kirsten wecken uns
auf. Im Gegensatz zu unserer Planung können wir noch nicht am frühen
Morgen ablegen. Skipper Jürgen wartet noch auf wichtige Nachrichten aus
Deutschland. Also nutzen Thorsten und ich die Zeit um noch ein paar
Besorgunge n zu erledigen. Ein herrlicher Sonnentag lädt uns ein, die
Stadt noch mal von Ihrer freundlichsten Seite zu bewundern. Die
Einheimischen lassen sich (zumindest zu dieser Jahreszeit) eindeutig
erkennen, denn trotz strahlender Sonne haben Jung und Alt einen
Regenschirm dabei. Offensichtlich ist es nicht nur gestern so gewesen,
dass es immer mal kurz regnet. Das erklärt für mich auch, warum das
Hinterland der Insel so grün und bewaldet ist.
Das
feuchte, milde Klima sorgt für herrlich frische Blüten im gesamten
Stadtbild. |
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13:00 Ortszeit (UTC), für Jürgen ist
alles klar und wir werfen die Leinen los. Kurs Gibraltar. Die Insel, die wir
langsam hinter uns lassen, bestätigt die Regentheorie: Über ihr sammeln
sich die Wolken, während am Rest des Horizonts nur ein paar kleine Cumuli zu verzeichnen sind. Es sind sicher die hohen Berge, die die
Luftfeuchtigkeit sozusagen „abfangen“. Ich fasse den Entschluss, hier
mit Petra eines Tages noch mal Festland-Urlaub zu machen. Vielleicht
auch in Verbindung mit einem Schlag zur nahe liegenden Insel Porto
Santo. Ich kann mir gut vorstellen, wenn man auf Madeira eine Yacht für
eine Woche chartert ist ein wunderbarer Kombi-Urlaub (Festland/Segeln)
drin.
Beim
Verlassen der Insel werden wir an einen "der" Seefahrer erinnert:
Columbus. Ein Nachbau der ersten drei Kolonialschiffe, der Santa Maria,
kommt uns am Ende seiner Ausflugsfahrt entgegen.
Am Nachmittag sehen alle Delphine -
nur ich nicht – „Mist!“. |
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Mit der Wacheinteilung starten wir ab
18:00 im Dreistunden-Takt, Ingo und ich sind um Mitternacht dran.

Ein herrlicher Atlantik: So darf ein Tag zu Ende gehen |

Sa 28.2.04 – Locker und ruhig
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0:00 morgens: Ingo und ich haben
Wache. Ein herrlicher zunehmender Mond, kurz vor dem Halbmond, belohnt
uns für das nächtliche Wecken. Das Mondlicht blitzt auf den Wellen des
Atlantiks und wird an Bord von den Chromteilen an Reling und Ruderstand
reflektiert. Da die Kamera mit diesen Lichtverhältnissen nicht klar
kommt kann ich nur sagen: Alle werten Leser haben einfach was verpasst!
Tut mir leid. Erstaunlich, wie hell so ein kleiner Mond den Atlantik
beleuchten kann: Der Horizont war deutlich zu erkennen.
Der Tag verläuft relativ ereignislos.
Nach der Passage des nordöstlichen Kaps von Madeira legen wir den
geplanten Kurs von 70° an. Das schönste dabei: Der Wind spielt mit: 3 Bft. aus NNW erlauben uns, exakt auf "Am-Wind"-Kurs unser geplantes Ziel
im Auge zu halten. |

Eine willkommene Unterbrechung bietet nur die nach,... |

... wie vor, vorzuügliche Küche unseres Skippers
Jürgen. |
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So 29.2.04 – Sonntagssegeln
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Sonntag - nicht nur für uns,
anscheinend auch für das Wetter. Tagsüber haben wir herrlichen
Sonnenschein, wie
bisher den Wind aus der richtigen Richtung und gute
Laune rundherum. Wenn wir mal von der Tatsache absehen, dass auf Grund
der Wacheinteilung kaum alle Crew-Mitglieder zeitgleich wach sind. Außer
zum Frühstück: Da sind wir alle da. Ist auch klar, denn unser Skipper
versorgt uns fürstlich, heute gibt es Spiegelei mit Salami und Brot. So
muss ein Tag anfangen.

Am Nachmittag endlich meine
persönliche Biologiestunde: In ca. einem Meter Entfernung schwimmt eine
Schildkröte von gut einem halben Meter Durchmesser an Steuerbord vorbei. |

So 1.3.04 – Langsam geht die Puste aus
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0:00: Für Ingo und mich ist es
wieder so weit: Wache. Bei Wind aus NNW mit ca. 10 Knoten läuft die
flotte Carla immer noch Ihre gute 5-6 Knoten, teilweise sogar über
sechs. Zum Ende unserer Wache lässt der Wind bedauerlicher Weise
nach: Mit 5 Knoten geht einfach nichts mehr, also heißt es jetzt:
Die "Unterwassergenua" zuschalten.
Nachmittag, 15:00, meine Wache
beginnt (wie schnell doch sechs Stunden vergehen können). Zu allem
Überfluss haben wir jetzt auch noch Wasser von oben - wenn wir doch
wenigstens Wind hätten. Um 16:30 werde ich ein wenig für die Geduld
belohnt, mit der ich nach vorne starre: Ein Delphin hat uns
gefunden. Er kreuzt fröhlich unter unserem Rumpf hin und her und
schwimmt ein kurzes Stück parallel mit uns. Ich rufe: „Ein Delphin
schwimmt neben uns!“, als wenn es das siebte Weltwunder wäre. Aber
was will man auch machen, nach guten 100 ereignislosen Stunden auf
See. Wenigstens Ingo, der mit mir Wache hat, erbarmt sich meiner und
kommt mal nach oben. Der Delphin taucht freundlicher Weise auch für
ihn noch einmal auf und ab, aber dann war's das schon.
Mittlerweile laufen wir nun schon
ca. 12 Stunden unter Maschine. Die Stimmung an Bord ist nicht gerade
von Elan geprägt: Toni pennt im Salon, Skipper Jürgen packt die
Putzwut: Er wienert mit Teaköl und sucht verzweifelt lockere
Schrauben, die er festziehen könnte. Seine Suche fin det
dann die Krönung in der lockeren Bemerkung: Ralf, wir müssen den
Kühlschrank unbedingt mal komplett ausräumen und mit Essig
auswischen - er stinkt schon! Na klasse, da ich mit einem
klassischen Appell-Ohr ausgestattet bin, schrubbt natürlich - wer
schon? - Ich! Und jetzt - sitze ich hier, mittlerweile mit
Soundstöpseln im Ohr, höre klasse Musik und schreibe diese Zeilen.
Wenn doch endlich Wind käme.
Zusätzlich bohrt
Jürgen
noch in der Wunde: „Na Ralf, bisher kannst Du ja wohl nichts
besonderes in Deinen Törnbericht schreiben.“
Doch das soll sich bald ändern:
Ein unregelmäßiges Geräusch kündigt deutliche Durstsignale unseres
Motors an. Auch die, zwischendurch von Toni und Jürgen nachgefüllten
2x20 Liter-Kanister haben nicht gereicht. Trotz allen, von zwei
weiteren Crew-Mitgliedern kontrollierten B erechnungen,
geht uns der Diesel aus. Und immer noch kein Anzeichen von Wind.
Dann macht es nur noch „Sprotz,
sprotz ...“ und aus ist’s mit der
Motorfahrt. Selbst Segelsetzen nutzt bei drei Knoten Wind nicht
viel.
Kurze Zeit später höre ich Jürgen
sagen: „Das Barometer fällt“ und Toni ergänzt „da vorne zieht eine
Regenwolke auf“, unsere Gesichter hellen sich auf. Wenn mir früher
mal jemand gesagt hätte, dass ich mich über fallende Barometer und
Regenwolken freuen würde ...
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So 2.3.04 – Schneider Adventure Tours
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Guten Morgen. Es ist Abend und ich
bin wieder dran mit der Wache. Der Wind hat ordentlich Gas gegeben
und uns den leeren Tank vergessen lassen: Bei gut 20 Knoten Wind
geht die Reise mit ca. 6 Knoten Fahrt voran. Da der Wind gedreht hat
müssen wir nun auf dem Weg nach Osten kreuzen. Vor uns ist die Küste
Afrikas deutlich zu erkennen:

Eigentlich könnten wir jetzt in
Tanger anlegen und voll tanken. Der Skipper ist jedoch der Ansicht,
auf Grund zu befürchtender bürokratischer Hindernisse, lieber bis
Gibraltar durchzuziehen. Außerdem haben nicht alle von uns
Reisepässe dabei. Der Wetterbericht gibt uns zudem Mut: Es soll bei
5-6 Windstärken bleiben.
Mittlerweile
nähern wir uns spürbar dem Verkehrstrennungsgebiet: Von allen Seiten
nähern, begleiten oder verlassen uns Berufsschiffe. Bei der
eingebrochenen Dunkelheit ist das ein optimales Lehrstück für die
Interpretation der Lichterführungen. Darüber hinaus hilft uns das
Radar, den regen Betrieb gut im Blick zu behalten. Allerdings müssen
wir dazu unsere Wachen verstärken: Von zwei auf drei Personen das
führt dazu, das die eine oder andere Stunde benötigten Schlafs in
einer Freiwache entfällt. Zudem bleibt Jürgen die ganze Nacht
standby.
Unsere Berechnungen lassen uns
annehmen, dass wir noch ca. 12 Stunden benötigen werden, bis wir
Gibraltar erreichen, das wäre dann morgen
vormittag.

Unser Trip von Madeira bis zur Einfahrt der Straße
von Gibraltar.
Wer genau hinsieht, kann die
Erste nächtliche Überraschung
Während wir bei Dunkelheit in den
Eingang der Straße von Gibraltar hineinkreuzen philosophieren wir
über unsere Schläge. Freuen uns vor allem, dass wir wider Erwarten
mehr parallel zur Küste fahren können als erwartet. Da leuchtet auf
einmal – direkt vor uns – an Steuerbord, maximal 50 Meter entfernt,
ein Suchscheinwerfer in unser Cockpit. Schock! Wie konnten wir den
denn übersehen. Ich rufe zu Jürgen am Radar
in's Schiff hinein: „Jürgen, hier ist direkt jemand vor uns,
hast Du den auf dem Radar?“ Jürgen: „Nein, hier ist nichts“. Der
Scheinwerfer blendet mich und ein Motorboot fährt unmittelbar an
unserer Steuerbordseite vorbei. „Jürgen, komm doch mal rauf, ich
glaube, die wollen was von uns.“ Jürgen kommt hoch, da trifft uns
wieder der Suchscheinwerfer. Jürgen nimmt die Taschenlampe und
leuchtet zurück.
Darauf fährt das Motorboot noch
einmal neben uns auf uns ab und verschwindet. Wir nehmen an, dass es
sich um ein Patroullienboot handelte,
dass nach Schmugglern vor der Marokkanischen Küste sucht.
Meine Wache hat sich, wie oben
erwähnt auch verlängert und ich kreuze mit Toni noch bis Null Uhr
zwischen dem Verkehrstrennungsgebiet und Marokko durch die Straße
von Gibraltar. Wir haben mittlerweile ausgerefft und fahren bis zu 8
Knoten bei ca. 20 Knoten Wind. Der Ostwind bringt einiges an Schwell
mit sich, so dass wir uns schon Mühe geben müssen, durch
rechtzeitiges Anluven und Abfallen das Aufschlagen des Rumpfes in
die Wellentäler zu vermeiden.
Dann der Wachwechsel: Jetzt sind
Thorsten und Wolfgang mit Kreuzen dran - und Ingo am Radar. Na gut -
viel Spaß und Gute Nacht - nur eine Bitte von mir: „Weckt mich auf
jeden Fall in zwei Fällen: Erstens wenn meine nächste Wache dran ist
und Zweitens wenn wir den Hafen von Gibraltar anlaufen“. Ingo
lapidar: „Dann wird wohl Ersteres eintreffen“. Wir nehmen alle an,
dass Zweiteres wohl erst morgen im Laufe
des Vormittages der Fall sein wird.
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So 3.3.04 – Morgen"grauen"
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Um vier Uhr höre ich aus der Ferne
eine Stimme: „Ralf, aufstehen, wir laufen Gibraltar an“ - Jürgen
weckt mich. Klasse, denn diesen Moment hätte ich nach den 4 1/2
Tagen nicht verpassen wollen. Das erste Mal, das für mich das Wort
„Anleger“ eine echt feierliche Bedeutung hat. Wie geht das wohl
Seglern nach einer kompletten Atlantiküberquerung? Doch wie sich
zeigen wird, soll diese Freude noch lange warten. Auf jeden Fall
sind wir viel früher dran als erwartet, das tut gut.

Unser Weg durch die Straße von Gibraltar.
Am unteren Bildrand ist unser "Kreuzweg" zu erkennen.
Zweite nächtliche Überraschung
Wir laufen Gibraltar gerade an.
Noch schießen wir mit 8 Knoten in Richtung Gibraltar-Bucht östlich
des Verkehrstrennungsgebietes (direkter Schmugglerweg von Marokko
nach Spanien). Um 5:30 haben wir gerade das
Vorsegel geborgen, um auf Grund des ausgefallenen Motors vorsichtig
mit einem gerefften Groß einzulaufen. Plötzlich leuchtet uns wieder,
wie aus dem Nichts, ein Suchscheinwerfer an. Ein Motorboot flitzt
auf uns zu - und dieses Mal redet sogar jemand mit uns. Leider auf
spanisch. Klang zudem auch nicht gerade
freundlich. Wir fragen, ob er nicht auch deutsch oder englisch
verstünde. Leider keine positive Antwort. Stattdessen scheint es,
als wollten die beiden auf dem motorisierten Schlauchboot uns
„entern“: Sie fahren achterlich Backbord
an unsere Yacht heran und einer von beiden will an Bord springen.
Jürgen reagiert prompt: „Nein - nichts da! – so einfach kommt man
nicht ungefragt auf mein Schiff“.
Der ungebetene Gast zeigt auf eine
Stickerei auf seiner Jacke und ruft „Gardia
Civil!“. Jürgen wehrt ihn ab: „Nichts da, so geht das ja nun nicht.“
Das Boot dreht ab, aber nur um
wenige Minuten später mit Verstärkung wiederzukommen. Das zweite
Schlauchboot hat jetzt schon drei Mann an Bord und wir nehmen an,
dass die Kollegen bewaffnet sind. In gebrochenem Englisch werden wir
aufgefordert, die Maschine zu stoppen. Wir versuchen ihnen
klarzumachen, dass wir ein Problem mit unserer Maschine haben und
nicht stoppen können. Anhalten würde für uns bedeuten,
manövrierunfähig zu werden. Sie geben jedoch keine Ruhe und wir
bergen also auch noch das Groß.
Später taucht noch ein großes
Schnellboot aus dem Dunkel auf! Ein weiterer Versuch, an Bord zu
kommen lässt sich wohl nicht verhindern, da es sich hier a) wirklich
um eine offizielle Aktion handeln muss und b) wir wohl ohnehin keine
andere Wahl haben.
Dieses Mal haben sich zum Glück
die Umgangsformen des Gastes etwas verändert. Er versucht uns mit
mehr Spanisch als Englisch klarzumachen, dass er sich unter Deck
umsehen will. Aha! Es wird also wohl nach Flüchtlingen gesucht. Nach
einigen Minuten kommt er wieder an Deck und sagt nur schlicht „Sorry!“
(Das war alles?). Leider geht er jedoch nicht, wie erwartet, von
Bord. Er unterhält sich mit seinen Kumpels, die ihn wohl auf die
Idee bringen, uns nach unseren Pässen zu fragen. Gut - also noch Mal
runter unter Deck: Alle Pässe raussuchen und die, von Wolfgang
vorbildlich geführte Crewliste, vorlegen.
Endlich genügen die Informationen
wohl, damit sich die Enterer verdrücken.
Mittlerweile ist es halb Sieben. Na prima, die
rausgeholte Zeit ist jetzt dahin.
Vor
dem Himmel, der die beginnende Dämmerung erahnen lässt, zeichnet
sich mehr und mehr deutlich das Relief des Felsens von Gibraltar ab.
Jürgen nutzt die Gelegenheit des ruhenden Schiffes zum Entlüften des
Motors. Dann setzen wir wieder das Groß um endlich in den heiß
ersehnten Hafen einzulaufen.
Noch während wir versuchen uns im
Hafenbecken zu orientieren, kommt die nächste Überraschung in Form
ei nes
englischen Polizeibootes auf uns zu. Hier läuft die Begrüßung jedoch
ganz anders ab. Mit typisch britischer Höflichkeit werden wir
gefragt, wohin wir wollen und man bietet uns an, in die Marina voran
zu fahren. Dort halten wir an der Bunkerstation und hinter uns „The
Police“.
Tja, unsere nächtliche Begegnung
soll also noch ein Nachspiel haben. Die Spanier haben uns offenbar
bei der britischen Exekutive angeschwärzt und um eine ernst
genommene Verfolgung unseres Falles gebeten. Man erklärt uns den
Sachverhalt so verständnisvoll wie möglich, bittet den Skipper mit
allen Personalausweisen und Bootspapieren zum Büro der „Port
Authorities“ zum Einklarieren.
Kurze
Zeit später kamen zu den zwei englischen Offiziellen noch drei
Spanier. Zwei kommen an Bord und unter Deck. Die einzige weibliche
Beamtin, die unser Schiff von innen besichtigt schmunzelt
vielsagend beim Anblick des
junggesellenmäßig anmutenden Chaos im
Schiffsinneren: Schlafsäcke, Socken und allerlei verschiedenste
Klamotten in jeder Ecke.
Es
dauerte dann nur noch wenige Minuten, bis man uns fragt, ob wir was
dagegen hätten, wenn man einen Drogenspürhund an Bord brächte. Was
denn wohl sonst noch alles kommt? Aber egal, wir haben nichts
dagegen – außer der Sorge, dass Thorsten und ich bei einer Blutprobe
einer Überdosis Antischlechtigkeitszäpfchen überführt würden, haben
wir nichts zu befürchten.
Dann kam der Hund, wir mussten -
bis auf eine Person - alle von Bord und dann wurde eine viertel
Stunde lang geschnüffelt. Es war natürlich keine Überraschung, dass
„Doggy“ nichts gefunden hat, dafür hat
er voll überschüssiger Energie die untere Klappe unseres
Pantry-Schrankes abgebrochen. Die Briten, nach wie vor freundlich,
danken für unser Verständnis und wünschen uns noch einen schönen
Aufenthalt. Jürgen könne sich beim Hafenamt eine Erstattung für den
entstandenen Schaden anfordern. Jürgen als Pragmatiker entschied
sich für die Variante „Selbst ist der Mann“ und hatte die Geschichte
in wenigen Minuten „geheilt“.

Endlich war es uns wohl gegönnt,
den Trip zu beenden. Jetzt noch tanken und dann einen Liegeplatz
suchen.
Eine siegessichere
Crew: War wohl nix, wie?
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Ein Rätsel klärt sich auf
Beim Tanken stellt sich heraus,
das die Sprit-Berechnungen sehr wohl richtig waren, aber ein
Konstruktionsfehler im Einbautank dazu führt, dass ca. 30 Liter
Diesel niemals in den Motor gelangen.
Dann die Suche nach dem
Liegeplatz. Auf unsere Funkversuche auf dem angegebenen UKW-Kanal 71
reagierte leider niemand. Freundlicherweise durften wir vom Telefon
der Tanke direkt den Hafenmeister antelefonieren. Unser kurzer Anruf
wurde quittiert mit „Ach, ihr seit doch die mit der Polizei“. Aha,
wir gehen also schon in die Gemeindegeschichte ein.

Unser origineller Liegeplatz: Direkt neben der
Landebahn!
Wir legen am zugewiesenen
Stegplatz an. Zum ersten Mal in meiner Seglerlaufbahn werde ich mit
Mooringleinen konfrontiert. Eigentlich
viel einfacher als ich erwartet hatte. Mit einer Hilfsleine, die am
Steg festgemacht ist, wird das eigentliche stabile Tauwerk vom Grund
hoch geholt. Damit wird die, dem Steg abgewandte Seite des Schiffs,
festgemacht – in unserem Fall belegen wir die
Achterklampen.
Am Steg wartet Kirsten schon auf
uns. Gut gelaunt, ausgeruht und glücklich, Jürgen wieder zu sehen.
Von jetzt an geht es also zu siebt weiter.
Die überlange Nacht scheint nun
endlich ihr Ende gefunden zu haben: Wir Duschen in den zentral
gelegenen, ordentlichen und kostenlosen Duschen. Anschließend wird
das Schiff klariert: Eine Frau an Bord und schon schaffen wir es
wieder, aufzuräumen.
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Ein ausgiebiges,
englisches Frühstück
an Land und
der Tag
kann kommen!
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Nach getaner Arbeit kommt der
unvermeidliche Landgang – endlich! Er führt uns durch das Tor der
alten Stadtmauer auf einen Platz, voll mit Straßenrestaurants und
Cafés.
Hinter dem Platz beginnt die zentrale Einkaufsstraße, deren
Infrastruktur deutlich auf die britischen Touristen ausgerichtet
scheint: Boutiquen, Parfümerien, Elektronikgeschäfte und alle
wiederholen sich endlos. Für Spirituosenliebhaber ein wahres
Paradies, da hier die hochprozentigen Flüssigkeiten steuerfrei
vermarktet werden.
Kulturell ist die Stadt
offensichtlich eine Mischung aus marokkanischen und britischen
Einflüssen.
MEHR: Wer mehr von Gibraltar
sehen will: Einfach auf das Foto oder
diesen Link klicken!
The
Rock ohne Sean Connery
Wir machen uns auf den Weg „The
Rock“ zu besuchen, oder im Volksmund, den Affenfelsen. Der große
Berg, in dessen sicheren Schutz Gibraltar erbaut wurde, ist ab der
Hälfte bis zum Gipfel von Affen bevölkert, die seinerzeit englische
Eroberer aus Afrika mitgebracht hatten. Auf dem Weg dorthin treffen
wir einen der Polizisten von heute morgen wieder. Diesmal in Zivil
auf einem Motorroller. Er grüßt uns freundlich und gibt uns den
Tipp, mit der Seilbahn hinaufzufahren, an der mittleren Station
auszusteigen und dann hinaufzulaufen.
Der Eintrittspreis für den
Naturpark in Höhe von 10,50 € ist für britische Verhältnisse nach
meiner Erfahrung günstig. Im herrlichsten Sonnenschein fahren wir
hoch, nach Erkundigung an der Kasse, haben wir uns entschieden bis
oben durch zu fahren.
Der erste Hammer: Vom Gipfel sieht
man fast 360° Wasser (ausgenommen ein paar Grad Spanien): Herrlich!.
Ingo im Fotoduell mit einem Affen
Und tatsächlich, überall auf den Wegen und im Gelände Affen ohne
Ende. Und überall Überreste der im zweiten Weltkrieg errichteten
Befestigungsanlagen. Sie sehen aus, als wären sie einfach so
verlassen worden: Alte Steckdosen, sogar ein VHF-Verstärker in einer
halbverfallenen unbeleuchteten Baracke! Erinnerungen an alte
schwarzweiß-Kriegsstreifen kommen hoch.
Nur die Geschütze sind fort.
Frachter
auf Reede / ein imposantes Schauspiel.
An einigen Stellen sind Tafeln
befestigt, die eine spannende geschichtliche Begebenheit an der
jeweiligen Stelle beschreiben. Und immer wieder, während wir den Weg
bergab wandern, unglaublich schöne Blicke auf Klippen und Meer. Ein
wenig stöhrend wirken nur die
zahlreichen Frachter, die draußen auf Reede liegen. Auf halbem Weg
dann eine strategisch günstig positionierte Erfrischungsstation. Wir
sehen gerade noch einen Affen aus dem Gastraum rasen, verfolgt von
der schimp fenden Bedienung, die ihm mit einen Schrubber nachsetzt:
Der Affe hat einen Schokoriegel gemopst und verschwindet mit der
Beute. Das Schauspiel wird von einem zweiten Artgenossen verfolgt,
der – auf einem Regal sitzend – eine erbeutetes
Mars „schlachtet“.
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Der Tag endet
relaxed: Ein letztes, kalte Bier an Land, auf dem Marktplatz.
Ein herrliches „Jürgengebruzzeltes“
Steak an Bord und vor dem Schlafengehen der Weg in einen englischen
Pub, gemeinsam mit schottischen
Fußballfans fernsehen. |

So 4.3.04 – Nach Hause brummen |
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Tja! Der Törn nähert sich dem
Ende. Wir müssen weiter. Jürgen schmeißt uns aus den Federn. Aber
nichts mit Segeln: Flaute! Unter Motor umrunden wir „Den Felsen“.
Die Sonne und der wolkenlose, hellblaue Himmel sind ein
Dreamteam und bieten uns nun auch noch
vom Wasser aus phantastische Ansichten der Anlage.
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Nach dem wir das Kap gerundet
haben setzen wir unter Maschine den Kurs 55° in Richtung Malaga ab
und beauftragen Kollege Autopilot, den Kurs zu halten.

Ein paar letzte schmachtende Blicke zurück und dann
Richtung Heimat.
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Barcadi-Feeling
Die Sonne brennt uns auf den Pelz
und im Laufe des Vormittags schälen wir uns aus den Klamotten.

Erst
fallen die Fleece-Teile, dann alles, was
noch langärmelig ist und zum Schluss müssen selbst die T-Shirts dran
glauben. An Deck macht sich eine eindeutige „Faule Stimmung“ breit.
Ergänzend zu den „Lazy
Jacks“ am
Großbaum liegen zahlreiche „Lazy Sacks“
an Deck. Unterbrochen wird die
Fernsehwerbungsreife Idylle gelegentlich durch kleine
Biologie-Intermezzos (oder muss es Intermezzi heißen?).
Heute ist mein Glückstag: Eine
kleine Delphin-Schule begleitet unsere Reise für 15 Minuten. Die
flinken, schlanken Gesellen spielen um unseren Bug herum und kommen
uns „zum Greifen nahe“. Am frühen Nachmittag, ein bis zwei Stunden
vor unserer Ankunft, nimmt der Wind zu.
Jürgen erfüllte uns neben dem
ohnehin schon vollen Programm noch den letzten Wunsch: Wir setzen
den Spi. Die Details dieser Aktion sind
jedoch schon wieder eine Geschichte für sich und würden definitiv
diesen Törnbericht sprengen. Das sei also für ein anderes Mal
aufgehoben.
Am späten Nachmittag laufen wir im
Hafen Porta
Deportiva in Benamáldena ein.
Sein krönendes Ende findet diese satte Woche mit einem Besuch in
Malaga: Mit Taxis machen wir uns auf den Weg zu Kathedrale. Dort,
ca. 3 Straßen weiter kehren wir in das Restaurant „Fabiola“ ein und
lassen uns fürstlich bedienen. Dies ist die angemessene Formulierung
für den Kellner, der schon eher gleich einem Diener in angemessenem
Abstand an unserem Tisch vorbei wieselt und darauf achtet was er für
uns tun kann. Nach zwei warmen, gemischten Vorspeisenplatten, die
wir unter uns teilen, genießen wir frisch gegrilltes: Fisch und/oder
Fleisch. Die Mahlzeit lassen wir von einem „Haus“-Rioja
begleiten.
Gegen 21 Uhr füllt sich das
Restaurant erst richtig, da die Spanier gewohnt sind, relativ spät
zu essen.
Nach dem wirklich gelungenen Mahl
machen wir uns auf die Suche nach „dem Leben“ in der Stadt. Dazu
scheint es uns geraten, den jungen Leuten zu folgen, die sich alle
in eine Richtung durch die Stadt bewegen. Toni ist der erste, der
einen Club aussucht, in dem „gute Mucke“ und viel Volk ist. Unsere
Stadtwanderung führt uns später noch auf einen großen Platz, auf dem
sich - zwischen Pavillons - Unmengen junger Leute versammelt haben.
Aus verschiedenen Richtungen drang Musik, zum Teil von
Straßenmusikanten.
Erst um halb Fünf fanden wir
schließlich den Weg in unsere Kojen.

Der Küstenstrich vor Malaga: Dominiert durch Hotelanlagen |

So 4.3.04 – Schade, schade - schon vorbei
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Der Törn endet wie so oft: Klar
Schiff machen, Abschiedstränen vergießen und sich auf den Heimweg
begeben. Der dauert dieses Mal ein wenig länger als sonst, da unser
Rückflug von Malaga mit Umsteigen auf Mallorca verbunden ist. Es
klappt jedoch alles reibungslos. Und trotz der späten Ankunft zu
Hause (22:30 Düsseldorf) bleibt dank der vergangenen zwei ruhigen
Tage eine satte Portion Erholung hängen.
Zumindest für mich (für die
anderen Crew-Teilnehmer kann ich nicht sprechen) war dies bis dato
der stärkste Törn, den ich je gemacht hatte. Von Relax bis Abenteuer
war alles dabei. Und mindestens für den „Relax“-Anteil
möchte ich hiermit Jürgen noch mal herzlich danken, der neben seinen
Skipper-Qualitäten auch eine Spitzen-„Versorger“-Ader
bewiesen hat. Mal sehen, wann das Telefon klingelt und eine Stimme
fragt: „Ralf, kommst Du mit, eine Yacht von den Kanaren zu den
Kapverden zu überführen?“
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Bonusmaterial
Bildschirmhintergrund

(zum Herunterladen einfach auf das Bild klicken)
„The Rock“ als
3D-Ansicht

(zum Herunterladen einfach auf das Bild klicken)
Der beste Merksatz
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Mehr Speed durch
höhere Geschwindigkeit
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Aus der Reihe: Leben im Wasser und an Bord
(Bilogiekurs von
Prof. Grimmeck)
Der gemeine Springstein (lat.
jumpus stoneicus),
ist ein kleines manierliches Wesen, dessen ständiger Lebensraum am
Meeresgrund angeordnet ist. Hin und wieder verlässt der kleine
Geselle jedoch seine angestammte
Umgebung, häufig in abrupten und unerwarteten Zyklen, um bis zu ca.
einem Meter unterhalb des Wasserspiegels nach oben zu springen.
Da es sich bei diesem niedlichen und Energie
geladenen Meeresbewohner um eine stark
sozial orientiertes Wesen handelt, das zudem die Menschennähe nicht
scheut, kommt es immer wieder zu sogenannten
„Grundberührungen“. Diese Ereignisse tragen ihren Namen daher, dass
der gemeine Springstein sich in der Regel bis an den unteren Grund
von Schiffen, an die Zivilisation heranwagt. Anschließend lässt er
sich jedoch abrupt wieder in die Meerestiefen zurückfallen und wird
nicht wieder gesehen.
Solche Begegnungen – verlaufen zumindest für
den Menschen – hin und wieder gefährlich ab: Da der gemeine
Springstein von einer schützenden, extrem harten und häufig recht
kantigen Oberfläche umgeben ist, führt eine solche Begegnung schnell
zu Schäden an den beteiligten Fortbewegungsmitteln der beteiligten
Menschen.
Den besten Schutz vor Begegnungen dieser Art
kann man auf zweierlei Weise erreichen:
- Durch Vermeiden oder zumindest sehr
aufmerksames Befahren der bevorzugten Laichgebiete des gemeinen
Springsteines. Dieser bevorzugt als Gebiete für seine
Fortpflanzung in der Regel Hafeneinfahrten und die Nähe felsiger
Küstenabschnitte. Vereinzelt wurde aber auch Springsteine schon
in der Nähe von Untiefen in freien Gewässern beobachtet.
- Durch „erfahren“ von Seemeilen. Denn
statistischen Auswertungen zur Folge bevorzugt der gemeine
Springstein die Kontaktaufnahme mit weniger erfahrenen
Wassersportlern .
Besonders erstaunlich bei den kleinen Tierchen
ist die offensichtliche Fähigkeit menschliche Verbrauchergruppen zu
unterscheiden. Dies lässt sich eindeutig aus seiner offensichtlichen
Vorliebe für die Begegnung mit Chartercrews ableiten. Ob dies auf
ein überdurchschnittliches Maß an Intelligenz des
jumpus stoneicus
oder auf gute Beziehungen seiner Gattung zu Charteragenturen
und/oder Versicherungen schließen lässt ist zur
Zeit noch ein Rätsel der Wissenschaft.
In Bezug auf den Bestand dieser Gattung kann
abschließend festgestellt werden, dass es im Gegensatz zu
zahlreichen anderen Bereichen der Tierwelt, keinen Grund zur Sorge
gibt. Eher im Gegenteil ist eine starke Vermehrung der possierlichen
Wesen zu beobachten. Es scheint geradezu, dass es in den vergangenen
Jahren, bedingt durch einen erhöhten GFK- und Charterausstoß schon
in den einen oder anderen Laichgebieten zu kleinen
„Springsteinplagen“ gekommen ist.
Als Menschen sind wir sicher gut beraten,
gerade in den Laichgebieten, vorsichtig zu navigieren. Immerhin ist
es auch den Biologen noch nicht klar, welche unangenehmen Folgen die
sicherlich wohlgemeinten Begegnungen für den Springstein selbst
haben. Auf diese Weise – in gegenseitiger Wertschätzung – werden wir
noch viele Jahre ein wohltuendes Bestehen beider Lebensformen
nebeneinander gewährleisten können. |

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Stand:
18.09.09
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