








|
|
Oktobertörn 2004
Alles hat ein Ende ...
Bevor die Omega in den Winterschlaf geht
wollen wir noch einmal die Ostsee besegeln. Von Fehmarn aus wollen wir
endlich unseren Wunsch umsetzen und gen Westen, sprich
Schleswig-Holsteinische Küste segeln. Aber wieder einmal müssen wir lernen:
Der bestimmende Faktor beim Seglen ist mehr der Wind, denn unsere Wünsche.
Warum soll es unserer neuen Crew auch besser gehen als der Truppe vor drei
Wochen (s. auch "Septembertörn 2004: Statt Arnis
nach Osten".
Wo wir doch gerade bei der Crew sind, gleich
mal ein paar bildhafte Worte zu uns:
Die Crew:

Ralf, der "See-Hund" |

Elmar "der ganz Harte" |

Klaus-Georg, "das Hirn" |

Und der Skipper Ralf |

Erster Tag (Freitag, 15.10.2004)
Anfahrt und in die Kojen.
|
Für den Beginn des Törns haben wir uns
dazu entschieden, am Vorabend anzureisen. Erstens fliest der Verkehr
abends schneller (wichtig zu Beginn der Herbstferien!) und zweitens
können wir dann ausgeschlafen den ersten Tag gelassen für die Sicherheit
und Manöverübungen verwenden:
 | 17:30 - Treffen in Essen, packen und losfahren |
 | ca. 19:00 - Unterwegs herrliche vorproduzierte
Brötchen von unserem Smutje Ralf G. verzehrt |
 | ca. 22:45 - Wir passieren die Fehmarnsundbrücke -
Dieses Mal noch "von oben". Schade, dass es so spät ist, denn von
der Pracht des Bauwerkes sehen wir nichts mehr. |
 | ca. 23:00 - Ankunft in Burgtiefe. Der Hafen ist
schon ziemlich leer - der Großteil der Yachten ist bereits im oder
auf dem Weg in's Winterlager. |
 | Wir packen unsere "Mitbringsel" auf die Yacht. |
 | 23:30 - Erste Einweisung der Crew in das Schiff,
Verteilung der Kojen und auspacken der persönlichen Habseligkeiten. |
 | ca. 1:00 - Abschließender Besuch in der
Karibik-Bar. Leider ist die abendliche Life-Musik schon vorbei. Da
wollte ich die neuen Crewmitglieder mal mit ein wenig "Lokal-Colorit"
beeindrucken aber außer Fassbier und "Kai Pyranja" war nichts mehr
zu holen. |

Zweiter Tag (Samstag, 16.10.2004)
Üben und rauschen - auf nach Orth und Heiligenhafen
|

Ralf outet sich gleich am
ersten Tag als unser Frühaufsteher.
Während wir noch alle mehr oder weniger gemütlich in
unseren kuscheligen Schlafsäcken von links nach rechts und wieder zurück
rollen, macht er sich auf die Suche nach der Brötchenbeschaffungsstelle
- in Burgtiefe ist diese im kleinen Laden unmittelbar neben dem
Hafenmeister zu finden.
Nachdem er uns dann zu allem Überfluss auch noch den
Geruch frisch aufgebrühten Kaffees in die Nase steigen lässt ist der
Widerstand gebrochen: Wir stehen auf, machen uns frisch und frühstücken.
Die Reihenfolge des Aufstehens der Nachzügler wird in den nächsten Tagen
etwas variieren - gleich bleibt aber die unbeständige Energie von
unserem Ralf. |
|
Nach dem Frühstück wird die Arbeit geteilt:
Klaus-Georg (im folgenden schlicht und einfach Klaus genannt) und Elmar
kümmern sich um die Backschaft, Ralf verdrückt sich in die Navi-ecke und
guckt nach dem Wetter:

|
Bevor
es dann richtig los geht, heißt es erst einmal sich mit dem Schiff
vertraut machen. Der Weg dazu - habe ich mittlerweile gelernt - ist es,
die Checkliste der Vercharterers durchzugehen.
So machen sich also die drei Mitsegler auf den Weg (ich kenne die Omega
schon in- und auswendig) und suchen nach Dingen, deren Namen sie noch
nie gehört haben. Wie zum Beispiel: Ankerball, Notpinne oder
Bootsmannstuhl.
Neben dem Effekt, dass wir dann wissen ob alles an
Bord ist, weiß nun auch jeder, wo die Dinge zu finden sind und was die -
teilweise befremdlichen - Namen bedeuten.
 Anschließend
folgt noch eine detaillierte Sicherheitseinweisung - was tut man wenn
... und eine Verteilung der Sicherheitsrollen, wer tut was? Somit sind
wir gewappnet, wenn eine unangenehme Überraschung eintrifft.
Jetzt kann's aber endlich losgehen. Wir machen uns für einen
Übungsschlag auf den Weg in die Ostsee - damit wir auch was zu sehen
bekommen soll es nach Orth gehen. Dort wollen wir Bärbels berühmte
Fischbrötchen essen und anschließend rüber zum Festland, nach
Heiligenhafen.
 Während
des kurzen Weges legen wir schonmal fest, wer an Boot der Chef ist und
wer zu seinen Füßen zu liegen hat - oder war es anders herum? Wer was
tun muss und wer genießen darf?
Unser Weg führt uns unter der, immer wieder,
sehenswerten Fehmarnsundbrücke her. Die Verbindung zwischen Festland und
Fehmern und gleichzeitig ein Teil der "Vogelfluglinie", der Straßen- und
Fährverbindung zwischen Deutschland und Dänemark.
Wer vom Festland über diese Brücke nach Fehmarn fährt,
sollte nach ca. 20 Minuten spätestens anhalten. Sonst fällt man auf der
anderen Seite der Insel wieder in's Wasser. Hier halten die Fähren, die
ebenfalls in einer guten halben Stunde Dänemark erreichen. Fähren sind
jedoch nichts für uns, darum haben wir ja auch eine Segelyacht
gechartert ;-).

Hat
man die Brücke passiert, sind es nur noch wenige Meilen bis zur Orther
Buch. Die tunlichst nicht einfach diagonal passiert werden sollte. Wer
sich gewissenhaft mit der Karte auseinander gesetzt hat, sieht sehr
schnell dass es eine weile nach Westen und dann steuerbord ab noch
Norden gehen muss um nicht auf Untiefen zu fahren.
Auch die Hafeneinfahrt hat es in sich, denn die
gebaggerte Rinne ist sehr schmal und darf nicht verlassen werden. Zum
einen wegen der Untiefen zum anderen legen die Fischer hier ihre Netze
tatsächlich bis an die Fahrrinne aus. Was ich mir besonders bei der
Ansteuerung in Dunkelheit als sehr problematisch vorstelle. Die Tonnen
sind nicht befeuert und nur ein Richtfeuer mit einem extrem kleinen
Winkel führt den Skipper in den Hafen.
Orth ist ein uriger, kleiner Hafen. Obwohl er so klein
und bescheiden wirkt zeugen die verbliebenen Eisenbahnschienen im
Asphalt und zwischen Kopfsteinpflaster davon, dass hier früher einiges
an Waren (Fisch und Getreide) umgeschlagen wurden. Heute sollte man den
kleinen Ort auch nicht unterschätzen. Denn die zenztral aufgestellten
Wegweise machen deutlich, dass wir uns gerade im Zentrum der Welt
befinden, um nicht gleich Metropole zu sagen:
 
Kaum haben wir festgemacht,
inspiziert Elmar erst einmal die Gegend. |
|
Bevor wir uns auf den Weg zur Fischbude machen, genauer gesagt zum
Fischkutter, suchen wir erst einmal unsere Siebensachen zusammen. Elmar:
"Wo ist denn wohl mein Portemonait"?
In der Backskiste vielleicht?
"Bärbel" ist
nicht mehr "Bärbel"! Der Fischkutter hat den Besitzer (oder
Pächter?) gewechselt. Dafür gibt es jetzt neben frischem Fisch auch noch
Brathering. Wir nutzen die Gelegenheit, um mal die Karte "rauf und
runter" zu probieren. Ergebnis: Auch wenn Bärbels Brötchen unschlagbar
waren, kommen wir gewiss beim nächsten Mal wieder.

Nach dieser entspannenden Pause machen
wir uns wieder auf den Weg. Von unserem nächsten Ziel, Heiligenhafen,
trennt uns nur noch einmal ein Schlag gleicher Größe - also wieder ca. 2
Stunden.
Die Sonne, die dank des Herbstes relativ früh die Dämmerung einleitet
färbt den Himmel rosa, der Wind legt sich zum Glück noch nicht schlafen.
So können wir gemütlich aber zielstrebig die Überfahrt in Angriff
nehmen.


In Heiligenhafen sind wir dann noch früh genug, um uns
ein wenig umzusehen und die Orientierung für die morgendliche Navigation
zur ortsansässigen Bäckerei zu planen. Anschließend gönnen wir uns einen
gemütlichen Abend an Bord. |

Dritter Tag (Sonntag, 17.10.2004)
Zwangspause
|
Chronik eines Sturmtages
|
07:40
noch ist alles unscharf ...... nur unser
Frühaufsteher Ralf peilt die Lage
|
 |
07:55
Lebensspende |
 |
12:41
Ein wenig abhängen ... |
 |
| 2 Stunden |
Üben bei noch mehr Wind (deshalb auch
keine Bilder!) |
14:17
Noch mehr abhängen |
 |
15:20
Wieder abhängen (im Café in H'hafen) |
 |
16:31
Noch mal abhängen (Wir basteln uns ein Handy) |
 |
16:32
Ganz doll abhängen (Selbst der Adenauer hängt ab) |
 |
19:49
Genug gehängt: Jetzt wird klar Schiff gemacht |
 |
19:50
Bald ist's geschafft |
 |
| Bleibt nur zu hoffen, dass
es morgen besser ist. |

Vierter Tag (Montag, 18.10.2004)
Der Tag der Entscheidung. |
Auch
heute bläst der Wind noch immer ziemlich heftig - und auch immer noch
aus der falschen Richtung.Jetzt sind wir aber
das Warten leid und machen uns auf den Weg. Aber: Ich will nicht wieder
nach Wismar! (Denn da war ich jetzt schon
eins,
zwei,
drei mal).
Was also tun? Nach Westen können wir nicht (und nur mit
Müh' und Not) nach Osten wollen wir nicht.

Also
machen wir es erstens anders und zweitens als man denkt: Direkt nach
Süden! Erkundigen wir halt die Neustädter Bucht. Erster Stopp auf dieser
Strecke soll Grömitz sein. Anschließend wollen wir Neustadt und
Travemünde besuchen - sofern das Wetter es erlaubt.
Die Bilder zeigen: es ist eine kernige Überfahrt. Der
Wind hat jedoch soweit nachgelassen, dass wir es gut angehen können.
Außerdem haben wir bei dem Westwind und unserem Kurs die Landabdeckung
für uns. Neben etwas weniger Wind bedeutet das insbesondere auch weniger
Welle.
Am späten Nachmittag machen wir in Grömitz fest. Ein
Blick in die Navi-Ecke zeigt uns deutlich: Wir waren unterwegs. |
Anschließend
machen wir uns auf den Weg zur Ortsbesichtigung. Da gibt es natürlich zu
dieser Jahreszeit schon weniger verlockendes zu sehen. Grömitz ist ein
Badeort und wer riskiert das schon im Oktober?
Dementsprechend
sind auch die Strandbereiche leer gefegt.
Auch die Strandpromenade bietet genügend Raum zum
"promenieren". Hier drängt man sich nicht mehr. Wer jedoch nicht gerade
die 28 Grad im Schatten braucht - vielleicht sogar eher ein etwas
keringeres Klima bevorzugt - kann gerade jetzt den

Herbstabend
geniessen: Eine Steife Brise, Rauschen der Brandung, ein spielender Hund
am Strand und tatsächlich ein gefüllter Strandkorb - jetzt fehlt nur
noch das friesisch herbe Jever;-)
Und eigentlich sind wir selbst von den Temperaturen
völlig begeistert. Denn wer hätte hier Ende Oktober noch mit 9 Grad
gerechnet? Tagsüber hatten wir sogar deutlich über zehn!
Gut,
man muss deshalb ja nicht gleich leichtsinnig werden und sich ein Eis
auf die Faust nehmen. Obwohl es anscheinend genug Leute hier gibt, die
sich dazu noch erweichen lassen. Oder verkäuft der Besitzer der Eisdiele
unter Hand etwas steifen Grog? |
Die
Seebrücke von Grömitz macht in der Dämmerung ein gutes Bild. Der Wind
ebt langsam ab, und der Abend nähert sich dem Punkt an dem wir sagen -
oder sind es unsere Bäuche?: Jetzt wird es Zeit!
Auf dem Weg vom Yachthafen zur Ortsmitte haben wir die
eingängigen Möglichkeiten zur Verköstigung in's Auge gefasst.
Letztendlich fällt unsere Wahl auf "Den Klabautermann" - direkt an der
Strandpromenade. Denn heute soll es Fisch sein und die ausgehängte
Speisekarte verspricht Verlockendes.

Ob diese beiden den Abendschmaus allerdings nach dem
langen Tag noch genießen werden ist erst einmal fraglich.
Die geneigte Leserschaft sei versichert: Sie haben es
genossen. Die Gerichte waren ausgezeichnet, das
Preis-Leistungsverhältnis hat gestimmt - und das in der sonst so
Euro-Geschädigten Gastronomiewelt. Also: Alles gut und wir machen uns ab
in die Koje. |

Fünfter Tag (Dienstag, 19.10.2004)
Neustädter Bucht, wir kommen.
|
Heute
soll es weitergehen: Die Neustädter Bucht ist unser Ziel. Doch zuvor
heißt es mal ein wenig Klar Schiff machen. Da sieht man sogar den
Skipper mal Hand anlegen ;-)

Derweil geht im Jachthafen Grömitz regelrecht "die
Sonne auf". Das Licht der tollen Morgensonne auf den Najads, gleich
nebenan lässt uns träumen und süchteln. Uns darf halt die "Omega"
genügen.

Nach einem wie immer perfekten Frühstück machen wir uns dann an die
Törnplanung. Dieses Mal sind die Jungs gefordert. Ziel ist bekannt, also
wie kommen wir dahin? Karte gelesen, Entfernungen abgesteckt,
Hafanhandbuch gelesen - alles klar. Leinen los!

Auch
heute spielt das Wetter wieder perfekt mit. Genug Wind und bewölkter,
aber auch blauer Himmel. Was will das Seglerherz mehr - im Oktober?
Auich nach dem Kartenlesen sind "die "Männer"
gefordert: Jetzt heißt es, die Küste im Auge behalten, Landmarken und
Kompass beachten. Zwischendurch mal eine Ortsbestimmung und die
Abschätzung wie lange es wohl noch dauert.
Die Orientierung ist einfach - was uns allerdings
langsam verlässt, ist der Wind.
Also machen wir aus der Not eine Tugend: Üben wir noch
ein Manöver, das bisher noch nicht vorgekommen ist: "Beidrehen und
Beiliegen". Auf diese Weise kommen wir sogar zu einer 1a-Mittagspause.
Im prallen Sonnenschein liegen wir gemütlich in der Plicht, Ralf kocht
uns eine heiße Brühe und wir genießen den phantastischen Oktobertag:
|

 |
Nach
einem ausgiebigen Faulenzerpäuschen machen wir uns wieder auf den Weg
Richtung Neustadt.
Zum Nachmittag hin fahren wir in die Lübecker Bucht
ein (passieren die Huk Pelzerhaken). Dann läßt der Wind entgültig nach.
Mit 2 Knoten dümpeln wir mehr schlecht als recht Richtung Neustadt. Aber
in unserer relaxten Stimmung haben wir keine Lust, die Maschine
einzuschalten.

Erst am Ende der "Kreuzfahrt", als es schon auf die
Ansteuerungstonne für das Neustädter Fahrwasser zugeht, halten wir es
nicht mehr aus: Maschine ein, bevor es dunkel wird wollen wir ja noch
festgemacht haben.
Das folgende Bild zeigt die Küstenlage vor der
Einmündung nach Neustadt: Links der große Hafen Ancora mit der
Kunya-Werft dahinter und den Anlagen des Bundesgrenzschutzes. Rechts ist
im Hintergrund ist der Kirchturm zu erkennen, davor deutet sich die
Hafenbegrenzung des Vereinshafens an. Wer in die Stadt will, muss
hoffen, im rechten Becken einen Platz zu finden - genau das werden wir
versuchen.

Die
Krönung bei dieser Ansteuerung bildet das Empfangskommitee: Zuerst kommt
uns die Dreimastbark "Lili Marlen" entgegen (ein Schulschiff der
hiesigen Marine?). Ralf hat mir erzählt, dass hier wohl ein Stützpunkt
ist, an dem auch Sportsegler noch was dazu lernen können. Unter anderem
soll hier wohl ein umfassendes Survivaltraining angeboten werden. Das
wollen wir uns im nächsten Jahr mal gönnen.

Der Bark folgt das nächste Willkommenskommando:
Leuchtraketen steigen auf. Weiter unten am Ufer, erkennen wir auch den
"Schießstand": Einige Männer in Offshore-Kleidung stehen auf einem Steg
und schießen aus Signalpistolen.

Das
schönste Begrüßungskommando beim Anlegen ist allerdings das herrliche
Wolkenbild:
Vor uns öffnet sich die Bucht zum kleinen,
langgestreckten und beschaulichen Hafengewässer.

Ein kleines Fischerboot kommt uns entgegen und wir
suchen uns derweil schon mal einen Platz zum festmachen.
Gleich
nach der Hafeneinfahrt an Steuerboot legen wir erst einmal längsseits
an.

Nachdem wir uns beim Hafenmeister angemeldet haben
wird überlegt ob es Sinn macht, noch einen Fußmarsch in die Stadft -
zwecks Fremdverpflegung vorzunehmen oder ob wir lieber an Bord brutzeln.
Wir entscheiden uns für die Fremdverpflegung und machen uns auf den Weg.

Mittlerweile hat die Dämmerung begonnen, der Mond
steht auch schon am Himmel. Die ganze Idylle der Hafeneinfachrt ist
unwirklich schön.
Der Fußmarsch zieht sich allerdings hin, denn es sind
doch einige Meter - entlang an verschiedenen kleinen Vereinshäfen, bis
man den Ortseingang erreicht. Versöhnend ist jedoch die Idylle (wenn man
mal von der Baustelle absieht, die wohl eine neue Promenade zur Folge
haben soll). Denn die gesamte Wegstrecke legen wir auf einem Fußweg
durch einen bewaldeten Hang zurück - es kommt also eher einem
Spaziergang durchs Gründe gleich.
Der nette Spaziergang ist allerdings alles, was uns
von diesem Abend in Neustadt bleibt. Denn mit dem "Auswärts Essen" wird
es nichts, entweder ist Ruhetag oder die Küche schon zu. Also machen wir
uns ungegessener Dinge wieder auf den Weg zurück und Ralf zaubert uns
etwastraumhaft bodenständiges:


Mondsichel über den Vereinshäfen in Neustadt |

Sechster Tag (Mittwoch, 20.10.2004)
Weiter durch die Neustädter Bucht
|
Mittwoch
- der Törn neigt sich schon fast dem Ende. Aber jetzt, wo wir schon hier
sind (und immerhin noch drei Tage haben) sollte der Schlag rüber nach
Travemünde auch kein Thema mehr sein.Also:
Vorbei an der schon gestern besehenen
Da
der Wind nun Richtung Südost gedreht hat geht das Ganze bedauerlicher
Weise nur noch auf der Kreuz. Der Schlag von dem wir angenommen hatten,
dass er nur 2 1/2 Stunden dauern würde zieht sich also hin. Am
Ende wird es sogar früher Nachmittag, bis wir endlich in die Trave einmünden.
Wer meine Törnberichte bis hirher verfolgt hat, weiß,
dass wir in der Regel die kleinen, beschaulicheren Häfen bevorzugen.
Jetzt aber sieht man schon in der Detailkarte, dass wir hier in der
Travemündung mit einem großen, breiten Fahrwasser zu tun haben werden -
in dem auch noch mit Verkehr zu rechnen ist ;-)
Erstaunlich ist (vielleicht kommt es uns auch nur wegen
der Wetterbedingungen so vor) wie lang' sich die Anfahrt von der
Ansteuerungstonne bis zum ersten Hafenbecken hinzieht. |
Die Travemündung:
Gleich zu Beginn liegt backbord die legendäre Passat, eine von x
Viermastbarken, die von der Reederei yyy gebaut wurde um Waren über
Atlantik und Pazifik zu befördern. Ihr Schwesterschiff ist jedoch vor
Cap Hoorn im xxx gesunken.Wir nutzen die Gunst
der Stunde (es ist wie gesagt früher Nachmittag) um im Passathafen
(gleich hinter dem imposanten Segler) festzumachen. Vielleicht kann man
das Schiff ja besichtigen.
Aus
der Besichtigung wird zwar leider nichts, denn außerhalb der Saison
findet die nur nach Voranmeldung und für Gruppen statt. Trotzdem ist es
schon ein beeindruckendes Bild, direkt vor diesem Rieseteil auf und ab
zu gehen.
Da
wo andere Schiffe Tampen aus Nylon haben ist dieses Schiff mit
Stahlseilen festgemacht.
Richtig deutlich wird die Dimension der Bark, wenn man
sie im Vergleich zum Hochhaus auf der anderen Seite der Trave
betrachtet.

Drei Jungs auf dem Weg zum Staunen:
 |
Anschließend
geht es weiter, die Trave flussaufwärts. Denn im Passathafen wollen wir
nicht liegen bleiben. Die Stadt Travemünde lässt sich von hier aus nur
mit der Fähre besuchen. Die zwar fast ununterbrochen die Trave überquert
aber dennoch eine unnötige Verlängerung unseres allabendlichen
Landganges bedeuten würde. So machen wir uns also auf den Weg.
An der Steuerbordseite liegt die Voderreihe, die für den
Besucher wohl best-ausgerüstete Uferseite, hier liegt ein Restaurant
neben dem anderen (übrigens wohl die einzige "Vorderreihe", die eine
eigene Website hat:
http://www.travemuende-vorderreihe.de)

Eine gute Maile stromaufwärts machen wir fest, nur um
festzustellen, dass wir hier keinen offiziellen Hafen erwischt haben.
Ich mache mich also auf den Weg, um den Hafenmeister zu suchen. Nachdem
ich am Hafenmeistergebäude die Telefonnummern ausprobiert habe, erhalten
wir die Zuweisung eines Liegeplatzes im Fischereihafen - an den
eigentlichen Vereinsliegeplätzen.
Wir machen fest und leiten das allabendliche "Hallo-Schatz-ich-bin-wieder-heil-an-Land-Telefonat"
abzusetzen.

Der Steg, der den Hafen von der Trave trennt, erlaubt
uns einen herrlichen Ausblick (wenn das Wetter etwas besser wäre),
Richtung Lübeck - was natürlich von hier noch nicht zu sehen ist. Dafür
fallen direkt die dicken Fähren in's Auge, die von hier Richtung
Skandinavien ablegen.

Diese
Pötte bestimmen, zumindest im Uferbereich, regelrecht das Stadtbild. Je
nach Perspektive hat man das Gefühl, dass sie entweder Bestandteil des
Straßenverkerhs oder der Uferbebauung sind.
Zumindest ebenso integriert, wie das "Federvieh" dass
durch die zahlreichen einlaufenden Fischerboote angelockt wird. Die
Tatsache, dass der Fisch direkt im Hafen seinen Weg zum Endverbraucher
findet trägt nicht minder dazu bei, dass die Möven sich hier ihre
Wahlheimat gesucht haben.
Wo wir gerade so nett vom Essen plaudern: Die bewährte
Frage "wo würden Sie denn Essen gehen" an einen Einheimischen - in
unserem Fall der Hafenmeister - führt wieder zum gewünschten Ergebnis:
Ein erstklassiger Tip.
Die
Antwort lautete: Im Alten Bahnhof. Entgegen der klassischen Erwartung
des Touri's, die Lokalität in Ufernähe zu finden müssen einen kleinen
Fußmarsch durch die Stadt auf uns nehmen. Am Ausgang des "Hirtengangs"
fällt uns das alte Bahnhofsgebäude gleich ins Auge:
Ralf
fühlt sich direkt zum Koch hingezogen. Quizfrage: Liegt es an den
inneren oder den äußeren Gemeinsamkeiten?
Die Überraschung trifft uns allerdings, nachdem wir
die gemütliche Bahnhofshalle betreten: Nix mit Fisch in Norddeutschland.
Nein! Wir sind ausgerechnet hier, wenn die "bayrischen Wochen" gegeben
werden. Die ansonsten urgemütliche und bis ins Detail sehr liebevoll mit
Bahnhofszitaten geschmückte Einrichtung wird von Blau-Weißen Wimpeln
dominiert. Die
Speisekarte
sind entsprechend Deftiges vor und an Weißbier wird es uns wohl heute
Abend auch nicht mangeln.
Bleibt die Frage: Was ist man denn in so einem Fall?
Nun, die Antwort liegt auf der Hand: Wenn schon, denn schon: "a Haxen,
ja moi'"!
|
|

|

Siebter Tag (Donnerstag, 21.10.2004)
Rauschefahrt nach Hause - Weiße Ostsee
|

Zeitig soll es los gehen. Also lassen wir heute unserem
Frühaufsteher keinen Vorsprung. Zunächst hetzen wir hinter dem
lieben Ralf erst einmal zum Hafenmeister, weil dort Waschgelegenheiten
sind. So schön unser Liegeplatz hier auch war, spätestens jetzt macht
sich der unangenehm lange Fußweg über die Steganlage bemerkbar.
Insbesondere, da es kalt und nieselig ist.
Richtung Festland müssen wir an den Festmachern der
Fischer vorbei. Auch wenn wir glauben, früh aufgestanden zu sein: Für
andere ist die erste Schicht bereits gelaufen. Die Fischer haben längst
ihren Fang entladen und auf den Verkaufsständen platziert.
Etliche
Kunden parken unmittelbar davor und kaufen den frischen Fisch -frischer
geht's wohl nicht mehr. Gleich gegenüber der geparkten Autos "parkt" die
hiesige "Fischereiflotte":
Auf dem Rückweg zum Schiff muss dann aber doch noch
ein Foto gemacht werden: Die Trave, die flussaufwärts nahezu im Nebel
verschwindet, sieht genau an dieser Biegung bezaubernd aus. Da stören
auch kaum noch die großen Pötte.

Jetzt
noch nach dem Wetter sehen: Das Navtex verspricht uns Wind für
die Westliche Ostsee von 6 Bft. aus Süd bis Südwest. OK, ok, die
Starkwindwarnung für Fehmarn von 9 Bft. stand ganz am Anfang, da aber
die Vorhersage auch mitteilte, dass der Wind abnehmen sollte, haben wir
uns gesagt: Das wird eine zügige, aber ruhige Rückfahrt.
Also heißt es nur noch "Leinen los". Auf dem Weg "nach
draußen" dürfen wir noch einmal das Hotel Maritim in seiner wahren Größe
bestaunen (ok - ich gebe zu, da steckte schon ein wenig Ironie mit
drin).

Die Passat die wir im Licht der Vormittagssonne zu
Gesicht bekommen, gefällt uns allerdings auch viel besser.
Ein Blick zurück zeigt uns beeindruckend noch einmal die
gefällige Uferbebauung der bekannten Vorderreihe. Hier sieht die Welt einfach
noch in Ordnung aus:

Während wir das Ende des Fahrwassers erreichen, kommt uns
noch ein dicker Pott entgegen. Seine Größe wird besonders deutlich, wenn
man ihn mal mit dem Leuchtturm an der Mündung vergleicht:



So wollen wir dann die Trave in Erinnerung behalten - bis
zum nächsten Mal: Der Passathafen und viel Schönes weiter in das Land
hinein. Übrigens - danke an Volker, für Deinen
Eintrag in unserem Gästebuch und den Hinweis in Bezug auf die Entfernung
von der Trave-Mündung bis nach Lübeck. Das macht Mut, beim nächsten Mal die Trave weiter aufwärts zu fahren und Lübeck einen Besuch abzustatten.
So
ruhig und beschaulich der Tag auch begonnen hat, so spannend soll er
allerdings noch werden, wenn wir auf die Ostsee hinauskommen. Ein Blick
über unsere Köpfe zurück zeigt uns einen finster drein schauenden
Himmel. Voraus sieht es eigentlich noch gut aus.
Wir legen trotzdem schon mal ein Reff ein und halten uns gut vor dem
Wind, der uns raumschots von backbord treibt. Er nimmt deutlich zu,
mittlerweile liegen wir bei 6 Bft. Es ist sicherlich kein Problem, denn
der Wetterbericht hat uns 6 Windstärken vorausgesagt, viel mehr kann es
dann ja wohl nicht werden. Aber das bleibt
längst nicht alles: Im Laufe der nächsten Stunde steigt die
Windgeschwindigkeit immer weiter an bis sie sich bei ca. 30 Knoten
einpegelt. War wohl nichts, mit 5 Windstärken. Selbstverständlich haben
wir bereits im Groß das zweite Reff eingelegt und die Fock ein gutes
Drittel weggerollt (was wohl weniger als der Hälfte Segelfläche
entspricht). Denn wir werden wohl weiter segeln. Umdrehen hat keinen
Sinn mehr, denn gegen diesen Wind anzuknüppeln, nur um wieder in
Travemünde zu sein ist weitaus mühseliger als vor dem Wind nach Hause zu
fahren.
Am
Ende jagen wir in Spitzen von 8-9 Bft. über das Wasser. Die kleine Omega
kann - was auch immer wir tun - gar nicht mehr langsamer als 8-9 Knoten
fahren. Das ist weit über der
Rumpfgeschwindigkeit. Eine gute 3/4 Stunde bewegen wir uns sogar bei
10-11 Knoten. Jede zweite Welle wird "gesurft": ein tolles Gefühl.
Unsere Spitzengeschwindigkeit erreichen wir mit einer Welle, die uns
bestimmt eine halbe Minute lang auf dem Kamm trägt: Der Ruderdruck ist
weg, mit viel Feingefühl muss die Omega in der Spur gehalten werden und
man spürt im ganzen Schiff "das Rauschen" des Wassers, dass die
brechende Welle unter dem Rumpf erzeugt. Das GPS zeigt uns mehr als 12
Knoten Fahrt über Grund!
Trotzdem
allem ist die Anspannung groß. So weiß habe ich die Ostsee noch nie
gesehen - klar: Manche Profis sind da sicher noch anderes gewohnt. Aber
für uns war das schon ein ordentliches Paket. Insgesamt ist die
Wettersituation für mich unerklärlich:
Vor
uns blauer Himmel ohne jede Wolke und eine ruhige Wasseroberfläche mit
ein paar weißen Krönchen. Der Blick zurück zeigt eine unruhige See, zwar
ohne Hohe Wellen aber mit jeder Menge weißer Schaumkronen und einem
finsteren Himmel. Ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch und bin froh,
wenn wir heil zu Hause sind. Zum Glück passt der Wind.
Die zwei Meter Welle rollt weiterhgin achterlich ein
und da unser Kurs hinter der Lübecker Bucht nur noch unter Land verläuft
kann sich keine größere Welle aufbauen. In dieser Beziehung macht das
Segeln zumindest Spaß: Kein "Gegenan Geknüppel".
An
der Wettersituation ändert sich nichts mehr. Wir jagen nach Fehmarn. Die
Windrichtung macht uns die Ansteuerung einfach und schließlich machen
wir in Recordzeit auf Fehmarn fest: Nach guten 4 Stunden rechnen wir für
uns einen Schnitt von 8 Knoten Geschwindigkeit aus.
Und wer uns unser Seemannsgarn nicht glaubt: Hier
noch mal die Tagesspitze (Fahrt durchs Wasser), die uns die Logge zeigt: |
Gestresst,
aber glücklich, machen wir uns auf den Weg nach Burg auf Fehmarn. Wir
kehren in einem netten Kaffee ein und genießen die trockene, warme
Stube.Denn ab morgen wartet nur noch Arbeit auf
uns: Der Freitag soll genutzt werden, um die Omega abzuriggen und auf's
Winterlager vorzubereiten. |

Achter Tag (Freitag, 22.10.2004)
Einpacken
|
Von diesem Tag gibt es
eigentlich nicht mehr sehr viel zu erzählen:
- Wir bergen die Segel
- Riggen ab, zumindest so weit es geht
- Stagen und Wanten werden schon mal von Splinten befreit)
- bereiten alles vor, damit am kommenden Morgen gekrant werden kann
- Reinigen die Bilge
- Füllen den Tank noch einmal auf, damit sich im Winterlager kein
Kondenswasser bildet
- bringen die Segel zum Segelmacher und weisen auf ein paar fällige
Reparturarbeiten hin
- und dann kommt das Wichtigste:Wir gehen
"Spare Rips" futtern - in Burgstaaken. Tipp von unserem Vercharterer
Jürgen!
|

Gemerktes
 |
Hafengebühren (für die 9,80m lange Omega
inklusive Strom):
- Heiligenhafen: 14 Euro
- Grömitz: 16 Euro - Neustadt Vereinshafen (Seeburg?): 10 Euro
- Travemünde: 14 Euro zzgl. Kurtaxe (1 bis 2,60 pro Nase je nach Saison!).
|
 |
Die Restaurantpreise - selbst in Burg
auf Fehmarn - sind nach meiner Ansicht gesunken. So reagieren die
Besitzer wohl auf die Folgen unserer gebeutelten Kaufkraft. Man muss
nicht mehr lange suchen, um eine leckere Mahlzeit auch deutlich
unter der 10-Euro-Grenze zu bekommen. Und das selbst bei
Fischgerichten.
|
 |
Frischen Fisch bekommt man, selbst zu
dieser Jahreszeit, morgens direkt vom Kutter im Fischereihafen von
Travemünde. Haben wir zwar noch nicht getestet, steht aber schon auf
meiner ToDo-Liste für das nächste Jahr!
|
 |
Travemünde habe ich mit Sicherheit
nicht zum letzten Mal besucht. Jedem, der die Ostsee besegelt und
Häfen mit Atmosphäre sucht, würde ich unseren Kurztrip durch die
Neustädter Bucht empfehlen.
|
 |
Unsere Restauranttipps für die
nächsten Törns:
- Grömitz: Klabautermann, direkt an der Promenade. Leckerer Fisch zu
fairen Preisen.
- Neustadt: Alter Bahnhof, Insider-Tipp. Gutbürgerliche Küche in
"Nicht-Maritimer" Bahnhofs-Museums-Atmosphäre (sehr liebevoll
gestaltet!)
- Fehmarn/Burgstaaken: Lotsenhus. Die besten Spare-Ribs weit und
breit. Vorbestellen ist sowohl wegen dem Tisch also auch wegen der
Spare-Ribs empfehlenswert. |
|
|
|
|